„Mehr Seilbahnen in den urbanen Raum“

Klimaschutz bestimmt Verkehr der Zukunft

Die besten Köpfe der Branche informierten und diskutierten im Rahmen der IONICA mit einem interessierten Publikum über die neuesten Erkenntnisse und Zukunftsvisionen der E-Mobilität.  Wissenschaftlicher Leiter ist der renommierte Experte und Politikberater Professor Martin Faulstich von der Technischen Universität Clausthal, bis 2016 Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Deutschen Bundesregierung. „Der Klimaschutz wird auch den Verkehrssektor grundlegend verändern. Die Mobilität des 21. Jahrhunderts wird maßgeblich strombasiert sein. Wir müssen bei der Treibhausgasemission auf die Bremse steigen und strikt dafür sorgen, dass bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2° C über dem vorindustriellen Wert eine gefährliche Störung des Klimasystems durch den Menschen gerade noch vermieden werden kann. Bei einer Überschreitung der 2°-C-Marke würden die Folgen des Klimawandels nicht mehr kontrolliert werden können. Über 98 % aller Kohlenstoffvorräte müssen wir im Boden lassen, um die Klimaziele zu erreichen. Die neue Begrenzung ist nicht, was wir im Boden haben, sondern was wir in die Atmosphäre geben dürfen. Und wir müssen uns auf den Klimaschutz konzentrieren und nicht auf die Verfügbarkeit von Öl, Kohle und Gas. Wir haben 150 Jahren Wohlstand durch die fossilen Brennstoffe aufgebaut und jetzt bleiben uns gerade 35 Jahre um auf regenerative Stoffe umsteigen. Biotreibstoffe werden eine Nische bleiben. Der Strom wird primär von Wind und Sonne kommen. Und Wasserstoff muss aus regenerativen Stoffen stammen. Und auch der Kohlenwasserstoff wird die Zukunft der E-Mobilität bestimmen. Die Basis ist der regenerative Strom. Wir leben noch in einer fossilen Industriegesellschaft und wir müssen uns hin zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft entwickeln“, so Faulstich in seinem Referat.

 

Mehr Seilbahnen in den urbanen Raum

Ebenfalls zu den Speakern beim IONICA Congress gehört auch ÖAMTC-Verbandsdirektor DI Oliver Schmerold. „Das eigene Fahrzeug steht 95 % des Tages nutzlos herum. Carsharing wird die Mobilität ergänzen, es wird aber nicht zum Verzicht auf das erste Fahrzeug führen. Vielmehr muss der öffentliche Verkehr ausgebaut werden. Überall dort, wo das der Fall ist, geht der Individualverkehr zurück. Mein Tipp an Landesrat Schnöll ist, die Schnellbahn in Salzburg voranzutreiben. Nur so kann der Verkehr in Salzburg in Griff gebracht werden.“ Schmerold sieht aber auch eine ganz innovative Entwicklung beim urbanen Verkehr. „So muss man auch über Seilbahnen im städtischen Verkehrskonzept nachdenken. Die Firma Doppelmayr schätzt, dass sie zukünftig 50 % ihres Umsatzes mit urbanen Seilbahnen erzielen wird.“  Auch für kleine bemannte E-Flugzeuge, die vom ländlichen Raum in die Städte fliegen, sieht Schmerold eine Zukunft. „Bei den Fahrrädern gibt es einen Boom bei E-Bikes. Mehr als 50 % der verkauften Fahrräder sind E-Bikes. Dadurch entstehen aber auch neue Probleme – so bei den Verkehrs-, aber auch bei den Abstellflächen.

 

Reichweite beginnt im Kopf

Klare Worte beim IONICA Congress fand Kurt Sigl, Präsident vom Bundesverband Elektromobilität. „Wir brauchen intelligente Lösungen. Keine Theoretiker, sondern Praktiker. Man muss nicht Alles selbst erfinden. Die E-Mobilität hat eine mehr als 100-jährige Geschichte. Die Schiffe am Königssee fahren seit 100 Jahren mit Strom und es funktioniert gut. Und wir haben heute fast den gleichen Stand, wie vor 100 Jahren.  Da ist viel Luft nach oben. In Deutschland gibt es 11 Millionen Zweit- und Drittfahrzeuge. Und am Tag fahren wir nur rund 27 Kilometer. Wo ist hier das Reichweitenproblem? Das Reichweitenproblem der E-Mobilität liegt nicht auf der Straße, sondern ist rein nur in den Köpfen verankert.“ Für Sigl wäre eine schnelle Alternative für den Stadtverkehr ein Rollersharing. „Ein Roller entlastet die Städte immens und nimmt wesentlich weniger Platz ein, als ein Auto. Aber wir brauchen dazu auch gesetzliche Änderungen, dass Elektromobilität zu einer wirklichen Alternative wird zu den Zwei-Taktern.“